Natascha Kauder, Schutzengel bei FeM, im Interview

Natascha Kauder

FeM: Warum sind Sie Schutzengel?

Natascha Kauder: Weil ich als Schutzengel FeM unterstützten kann Schutzräume zu schaffen und zu erhalten. Gerade in den vergangenen 3 Monaten waren die Räume durch die Enge in manchen Familien sicher noch nötiger als sonst. Die psychische und physische Bedrohung und Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist leider vermutlich stark gestiegen und gleichzeitig haben viele Hilfs- und Beratungsstelle noch geschlossen. Die Mädchen und Frauen sind noch mehr auf sich alleine gestellt.

FeM: Wie engagieren Sie sich für FeM?

Natascha Kauder: Im Moment leider nur materiell, aber seit vielen Jahren auch politisch. Die Förderung von Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit von Mädchen und jungen Frauen ist ein Schwerpunkt meines politischen Engagements hier in Frankfurt und darüber hinaus. Empowerment für Mädchen ist so wichtig, für alle Mädchen. Aber für die, die in schwierigen Lebenssituationen sind, die in ihren Familien wenig Unterstützung finden und eher noch in ihrer individuellen Entwicklung behindert werden, um so mehr.    

FeM: Warum sind Organisationen wie FeM wichtig, warum benötigen wir den Feminismus?

Natascha Kauder: Viele sprechen jetzt wieder von einem Backlash und einem dringend notwendigen Gender Budgeting. Für junge Frauen, gerade in dauerhaften Krisensituationen, ist das zu abstrakt und hat sicherlich nichts mit ihren aktuellen Fragen und Bedürfnissen zu tun. Und doch haben die aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussionen um vielfältige Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt durch die Corona Pandemie auch etwas mit den Mädchen zu tun. Durch die Wahl ihrer Ausbildung oder dem Studium untermauern sie die oft noch eingeschränkte Auswahl oder durchbrechen sie. Je mehr junge Frauen sich für nicht typische Frauenberufe entscheiden, um so leichter ist es für alle. FeM stärkt die Mädchen und unterstützt sie bei ihrer individuellen Entwicklung, hilft Ihnen ihrPotentiale zu entwickeln und zeigt Ihnen Perspektive auf. Durch die feministische Mädchenarbeit können Mädchen enge Strukturen und Geschlechterrollen hinterfragen und sich freier entwickeln.

Das gilt für die schulische und berufliche Laufbahn, die Begeisterung für Sport, aus Zuschreibungen auszubrechen und den Mut zu haben, auch mal Nein zu sagen und sich zu wehren. 

FeM: Welche Frau beeindruckt Sie besonders?

Natascha Kauder: Annemarie Schwarzenbach, Schriftstellerin und Fotografin, die in den 30 und 40er Jahren durch die Welt gereist ist, z.B. Persien und Syrien und über ihre Reisen beeindruckende Bilder und Texte veröffentlicht hat. Eine sehr mutige und faszinierende Frau. 

FeM: Wo treffen wir Sie real oder virtuell, beruflich oder in der Freizeit?

Natasha Kauder: Ich arbeite in einem Jobcenter und bin daher täglich mit dem Thema Qualifizierungsangebote und Existenzsicherung von Frauen und Männern beschäftigt. Die Integration der Frauen liegt seit Jahren weit unter der Integration von Männern. Es gibt viele Ideen und Kampagnen aber so richtig viel ändert sich nicht.

Ich bin als Stadtverordnete viel unterwegs, viel Freizeit bleibt da nicht. Ich bin dann gerne mit dem Mountainbike unterwegs, spiele 1 mal pro Woche Tischtennis und treffe mich mit Freundinnen auch mal gerne in der Schirn. 

FeM: Was sollten unsere Leser*innen unbedingt lesen oder sehen?

Natascha Kauder: Ich habe Anfang des Jahres das Buch: „Das Haus der Frauen“ von Laetitia Colombani gelesen. Darin geht es um ein Haus, das Frauen in Paris Zuflucht gibt, u.a. weil sie vor Gewalt flüchten mussten. Ein ergreifendes Buch mit einer Zeitreise zur Entstehung des Hauses. Das Buch ist glücklicherweise gerade auf Bestsellerlisten und erreicht so mehr LeserInnen. 

Und ich möchte noch etwas für die Ausstellung: „Frankfurt Feminism“ in der Heussenstamm Stiftung werben, die vom Frauenreferat Frankfurt konzipiert wurde. Leider endete die Ausstellung am 13.06.2020 und war aufgrund der Corona Pandemie zum großen Teil nur digital zu sehen. Das war sehr schade, denn die vielfältigen Porträts und die Texte dazu zeigen eine bunte und diverse Perspektive von Feminismus in Frankfurt. Allerdings gibt's die Portraits immer noch sehr gut aufbereitet online unter folgender Rubrik: http://frauen-macht-politik-ffm.de/frankfurter-portraits/

Foto: Katharina Dubno

 

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